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I Ring oder das Spiel der wiederkehrenden Zwischenzeit.
Alles geht und vergeht - alles
kommt zurück.
Und das
Gehen und Vergehen kommt selber zurück.
Dieses Jetzt da war schon -
unzählige Mal war es schon.
Friedrich Nietzsche
Das Spiel beginnt, pünktlich am Bahnhof Gesundbrunnen. Die Teilnehmer steigen in die Ringbahn ein. I Ring beginnt. Zurückbleiben, bitte!
Die
Regeln sind klar: eine typische Berliner S-Bahnfahrt, die Beteiligten
verwandeln diese in eine spielerische Zeit und unterbrechen in
gemeinschaftlicher oder individueller Handlung die Alltäglichkeit.
Die
Mitwirkenden treten auf der Bühne auf – die Ringbahn – die kein Anfang
und kein Ende hat. Die Akteure: die Künstler und ein Publikum aus
zufälligen und geladenen Gästen, die nicht wissen was sich dieses Mal
in der Ringbahn ereignen wird. Sie wissen nur, dass es mit Kunst
verbunden ist und lassen sich, ähnlich wie bei einer
Ausstellungseröffnung, von der Situation begeistern. I Ring bewegt sich
dabei zwischen verschiedenen Publikumsebenen: zum Einen das Publikum,
welches bewusst die Kunst sucht, und zum Anderen die Fahrgäste, die
ohne jegliche Absicht zu Zuschauern werden.
Die Interventionen bei I Ring
sind poetische Momente, die uns freuen, irritieren, zum Nachdenken
anregen oder zur Teilnahme einladen. Die Fahrgäste haben die
Möglichkeit das Spiel zu spielen oder als Beobachter die Handlung zu
folgen. Es handelt sich um periodische Einschnitte in der Zeit, die
sich in den eigentlichen Prozess der Bahnfahrt einmischen. „Ein
unendlicher Prozess kann gar nicht anders gedacht werden als
periodisch“, sagt Nietzsche und so ist der Ring, ein Kreis der
ständigen Wiederholung und andauernden Bewegung.
Unsere Städte
sind geographisch aber auch ideologisch in ein 'Innen' und ein 'Außen'
– in ein Zentrum und Peripherie, geteilt. Bemerkenswert gestaltet sich
dabei die Konfiguration der Berliner Ringbahn, die das Zentrum der
Stadt umkreist und dabei die Zugänge zu den Zielen im Inneren und
Äußeren verbindet. Somit umschliesst I Ring ein Mikrokosmos im
erweiterten Mikrokosmos der Stadt Berlin.
I Ring,
ein Spiel von möglichen Welten, wo ein Cellist in Begleitung von
schicken Zuschauern auftritt und kein Geld dafür verlangt; wo eine
Geburtstagsfeier ohne Geburtstagskind gefeiert wird; oder wo eine
scheinbar ziellose Braut alleine fährt. Bekannte Rituale werden anders
betrachtet und zeigen das Spiel von unendlichen Möglichkeiten: sich
selbst und die Welt neu zu betrachten und das Befremden als Teil
unserer Welt zu integrieren.
Valeria Schwarz glaubt „an eine Kunst, die noch ein Gefühl von Gemeinschaft vermittelt“ und schafft es mit I Ring die
Kunst in den Alltag zu bringen und zugleich den Alltag als Kunst zu
betrachten. Es ist eine erfrischende und einladende Art mit Menschen in
Kontakt zu treten und sie in der Welt des I Rings miteinzubeziehen.
Und ewig gleich des Ringes Durst ist auch mein Durst nach mir: sich wieder zu erreichen, dreht und ringt sich jeder Ring, singt der alte Nietzsche im letzten Wagen der Ringbahn in Berlin.
Text: Katerina
Valdivia Bruch für Transfer. Beiträge zur Kunsvermittlung, Stiftung Künstlerdorf Schöppingen
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