Kippenbergers Kinder? Die
Produzentengalerie erscheint in den Medien als ein Phänomen der neuen
hippen Berliner Mitte, in der Sammler auf Jagd nach der Kunst von
morgen gehen. In den 1960ern waren Produzentengalerien revolutionäre
Formen der Kunstvermittlung.
Die
Gründung einer Produzentengalerie beruht entweder auf politisch- ideologischen oder auf rein praktischen bzw. ökonomischen
Beweggründen. Die Künstler warten nicht mehr auf die „Entdeckung“ durch
einen Galeristen, sondern stellen einen Galeristen ein. Andere Künstler
gründen eine Produzentengalerie als Projektraum, um Ihre Interessen
uneingeschränkt gestalten können. Ein Meister der Selbstvermarktung
war Martin Kippenberger. Seine Aktionen im SO 36, wo er Konzerte und
Ausstellungen veranstaltete, die Punkband „Die Grugas“ gründete waren
Anschläge gegen eine elitäre Kunstbetrachtung und damit eine
konsequente Demontage des traditionellen Kunstbegriffs. In der 1971 von
Dieter Hacker gegründeten „7. Produzentengalerie“, galt die Vermittlung
der eigenen Arbeit als ein Teil der Arbeit selbst.
Bereits
1964 eröffnete die Galerie Großgörschen 35. Die Gründer waren Berliner
Realisten, die sich mit den derzeitigen politischen Ereignissen
auseinandergesetzt haben und von den Dresdner und Berliner Veristen der
1920er Jahre beeinflusst waren. Ulrich Baehr, Werner Berges, Hans
Jürgen Diehl, Wolfgang Petrick, Peter Sorge und Lambert Maria
Wintersberger gehörten zu dieser Gruppe. Diese Selbsthilfe Galerie hat
Künstlern einen Einstieg in den Kunstmarkt verschafft. Was heutzutage
in Berlin passiert ist also gar nichts neues, sondern eine Folge dieses
Konzeptes.
Die
Galerien Invaliden1 und Montanaberlin liegen in der Tradition der
ursprünglichen Produzentengalerien. Bei Invaliden1 läuft die
Organisation nach demokratischen Ansätzen. Sie treffen sich und
entscheiden innerhalb der Gruppe wer was zeigen wird oder welcher
Künstler eingeladen werden sollen. Es ist mehr eine Gruppe von
Freunden, die internationale Kunst präsentieren wollen. Bei
Montanaberlin handelt es sich um eine sehr stark konzeptuell geprägte
Produzentengalerie. Die fünf Gründungsmitglieder der Galerie werden
schon von anderen Galerien vetreten. Sie nutzen den Projektraum für
ihre eigenen Ideen. Sie bestimmen sich nicht als eine Gruppe, sondern
arbeiten relativ selbständig, obwohl sie auch gerne einige
Ausstellungen zusammen gestalten. Esther Horn, Mitbegründerin der
Galerie, beschreibt Montanaberlin als den Ort wo sie Aspekte der Kunst
und interessante Zusammenhänge von künstlerischen Positionen zeigen und
dabei ihren eigenen Kunstbegriff erweitern. Die Galerie hat als Prinzip
das Zeigen und sie wollen nicht kommerziell arbeiten.
Künstler,
die einen kommerziellen Erfolg anstreben, stellen einen Galeristen ein,
der die Presse- und Öffentlichkeitsarbeit übernimmt, die Künstler
repräsentiert und der die Aufgabe hat diese innerhalb von zwei Jahren
im Markt zu positionieren, was oftmals heisst von einer anderen Galerie
vertreten zu werden. Herzlichen
Dank an Julia Schneider für die zu Verfügungsstellung ihrer
Magisterarbeit im Fach Kunstgeschichte an der Humboldt Universität zu
Berlin (bei Prof. Dr. Michael Diers), vorgelegt im März 2007. Text: Katerina Valdivia Bruch, Jennifer Becker Erschienen in: Kunst Magazin Berlin, März 2007 << back to texts
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