Re-Imagining Asia: Zwischenräume der Imagination
Was
bedeutet zeitgenössische asiatische Kunst? Kann asiatische Kunst
zeitgenössisch und nicht durch Regionalismus gekennzeichnet sein? Diese
und andere Fragen haben sich die Kuratoren Wung Hu und Shaheen Merali
während der Entwicklung des Konzeptes für Re-imagining Asia gestellt.
Die ausgewählten Arbeiten beruhen nicht auf einem statischen
politischen und geografischen Kontext oder auf einer kulturellen
Identität, sondern vielmehr auf mobilen künstlerischen Gesichtspunkten,
unter denen Asien oder „das Asiatische“ als imaginärer Ort, als Ort des
Kollektiven und Treffpunkt von unterschiedlichen kulturellen und
ästhetischen Traditionen auftritt. Diese Traditionen werden von den
Künstlern individuell betrachtet und wieder neu entdeckt. Entscheidend
für die Auswahl der 23 Künstler waren nicht ihr Geburtsort oder die
ethnische Herkunft, sondern ihre Auseinandersetzung mit Asien. Das
Spektrum reicht von indischen Künstlern wie Subodh Gupta über den
Mexikaner Gabriel Orozco bis zu dem Chinesen Shen Shaomin und dem
deutschen Fotografen Andreas Gursky. Anzutreffen sind Installationen,
Fotografien und Objekte. Die
Darstellung Asiens geht über eine kulturelle Identität hinaus, vielmehr
werden lokale und globale Sichtweisen vermischt, die sich als kreatives
Netzwerk präsentieren. Ein gutes Beispiel dafür ist die Arbeit Passport
von Rirkrit Tiravanija. Geboren in Argentinien als Sohn thailändischer
Eltern, zog er erst nach Thailand, später nach Äthiopien und Malaysia,
um dann in Ottawa (Kanada) die Highschool zu besuchen. Heute lebt der
Künstler in New York. Sein Werk verarbeitet zugleich Migration,
Mobilität und die multikulturellen Elemente der eigenen Identität. Für die Entstehung der Video-Performance Needle Woman (1999–2001
und 2005) hat die koreanische Künstlerin Kimsooja eine Reise in
verschiedene Städte (u. a. Tokio, New York, London, Mexiko-Stadt,
Kairo, Neu-Delhi, Shangai, Lagos, Jerusalem, Havanna, Rio de Janeiro)
unternommen. Auf den dort aufgenommenen Videos steht ihr Körper
isoliert in einer Masse von Menschen, sichtbar sind nur ihr Rücken und
ihr Kopf. Sie wirft damit die Frage auf, was die Darstellung eines
isolierten Körpers bedeuten kann. Kimsoojas Arbeiten beinhalten eine
intensive Auseinandersetzung mit Themen wie Migration, Integration und
Armut. Die
ausgestellten Arbeiten sind jenseits von kulturellen und geografischen
Barrieren gedacht und bieten einen Grund, sowohl über Asien und als
auch über das „Asien in uns selbst“ nachzudenken. Re-imagining Asia
umfasst vier Themen: Liebe und Fantasie, Architektur und Mobilität,
Freud und Leid und Unbehagen im System. Zudem wird ein umfangreiches
Programm präsentiert, welches von Lesungen und Konferenzen über
Workshops bis hin zu Performances reicht. Diese Performances werden
während der Filmreihe von fünf in Berlin lebenden Künstlern
präsentiert. Dazu kommt auch das Dance-Video-Music-Project The Abduction of Sita von Joachim Schloemer und ein von Ilija Trojanow kuratiertes Literaturprogramm.
Text: Katerina Valdivia Bruch Erschienen in: Kunst Magazin Berlin, März 2008 << back to texts
|