Thomas Struth: Making Time
Seit
18 Jahren lichtet Thomas Struth Museumsbesucher ab. In dieser Zeit
fotografierte er in den bedeutendsten Museen der Welt, darunter die
National Gallery in London, das National Museum in Tokyo, das Art
Institute of Chicago, die Eremitage in St. Petersburg, die Accademia in
Florenz, der Louvre in Paris, die Alte Pinakothek in München und das
Pergamon Museum in Berlin.
2005 fotografierte Struth im Museo
Nacional del Prado in Madrid. Das Museum ist seitdem um einen neuen
Flügel erweitert worden und Thomas Struth wurde eingeladen, mit einer
Ausstellung das neue Gebäude zu eröffnen. Er zeigt dort neun im Prado
und drei in der Eremitage und in der Accademia entstandene Fotografien.
Diese Bilder hängen zwischen Werken von Velásquez, Dürer und anderen
klassischen Künstlern. Auf diese Art sieht der Betrachter die Ölgemälde
zwei Mal: einerseits im Original und andererseits abfotografiert mit
Besuchern, die sich die Bilder zu einem anderen Zeitpunkt angesehen
haben, so wie er es jetzt selbst macht.
Struth ist ein Beobachter,
der aus einer bestimmten Distanz und Höhe als Betrachter der
Betrachtenden agiert und so Kunst aus der Kunst selbst schafft, wie das
Foto der Gruppe von Schulmädchen, die vor eben dem Velásquez Gemälde
selbst wie zeitgenössische Meninas aussehen. Die am 6. Februar 2007
eröffnete Ausstellung Making Time bedeutet ein neues Kapitel für das
Museo Nacional del Prado: es ist die erste Ausstellung eines lebenden
Künstlers. Diese Serie von Fotografien eröffnet eine neue Ära des
altehrwürdigen Museums, das die Zusammenarbeit mit zeitgenössischen
Künstlern weiterhin verfolgen will.
Thomas Struth hingegen läutet im
Prado das Ende seiner Serie ein. Es soll sein letztes Museum sein, in
dem er die Begegnung der Besucher mit Kunstwerken fotografisch
verarbeitet. Gelegenheit das Aufeinandertreffen der Zeiten in Madrid zu
erleben hat man bis zum 25. März 2007. Bereits ab dem 24. März ist die
Ausstellung in der Galerie Max Hetzler in Berlin zu sehen. Das Medium
Fotografie macht es möglich zeitgleich an zwei Orten zu sein: Making
Time.
Text: Katerina Valdivia Bruch, Jennifer Becker Erschienen in: Kunst Magazin Berlin, März 2007 << back to texts
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