Zeitgenössische Kunst in Indonesien - Eine Reise wert
Fast
350 Jahre lang war Indonesien eine niederländische Kolonie. 1949 kam
die sozialistische Regierung Sukarnos an die Macht, gefolgt von 32
Jahren faschistischer Diktatur Suhartos, die bis 1998 dauerte. Seit
2004 erlebt Indonesien ihre ersten demokratischen Jahre. Die
zeitgenössische Kunstszene wird von der gesellschaftlichen und
politischen Entwicklung des Landes beeinflusst und ist in Yogyakarta,
Bandung und der Hauptstadt Jakarta am stärksten vertreten.
Bisher
ohne jegliche staatliche Unterstützung organisierten sich Künstler in
Künstlerinitiativen, die für Bildung, Orte für Recherche, Ausstellungen
und den Austausch unter den Künstlern sorgen. Die erste und inzwischen etablierteste Künstlerinitiative ist Cemeti Art House.
Sie wurde 1988 von den Künstlern Mella Jaarsma und Nindityo Adipurnomo
in Yogyakarta gegründet. Neben Ausstellungen, Artist Talks,
Buchpräsentationen und Konferenzen werden dreimonatige
Residenzprogramme für Künstler aus Indonesien und den Niederlanden
angeboten. Eine Mischung aus Kunst und gesellschaftskritischer Auseinandersetzung findet man bei Ruangrupa
in Jakarta, wo überwiegend Kunst im öffentlichen Raum praktiziert wird,
die auf der Strasse, aber auch in spiessigen Malls zu erleben ist. Ein Ort für Kunst mit einem multidisziplinären Programm ist Selasar Sunaryo Art Space, gegründet vom berühmten Künstler Sunaryo in Bandung.
Kunstgeschichte
ist in Indonesien kaum präsent, eher setzen sich die Künstler mit der
Geschichte ihres Landes auseinander. Künstler fungieren als
Informationsvermittler. Die neuesten Trends der Kunst finden sie im
Internet und werden in Blogs und Facebook-Profilen vermittelt und
diskutiert. Fremdeinflüsse stammen überwiegend aus China und sind sehr
vom Markt geprägt. Indonesische Kunst besteht aus einer Mischung von
traditionellen und zeitgenössischen Elementen. Es ist überwiegend
Malerei zu sehen, man begegnet aber auch vielen Arbeiten mit einem
starken performativen Charakter.
Kuratoren sind in dieser
gemischten Szene unglaublich wichtig und bestimmen folglich den Erfolg
der Ausstellungen. Gute Galerien beschäftigen oft mehrere KuratorInnen,
meistens ehemalige Kunstkritiker. Chief Curator von Selasar Sunaryo Art
Space ist der junge Agung Hutjatnikajennong, der die diesjährige
Jakarta Biennale kuratiert hat. Fluid Zones
ist eine gelungene Ausstellung über junge Kunst und thematisiert u.a.
den Handel und Austausch in der südostasiatischen Region.
Zu sehen war die Installation Mellow
von Iswanto Hartono, die das Thema der Biennale exemplifiziert und die
Region Südostasiens zugleich als Ort des Handels und auch als Ort der
politischen Machtverhältnisse darstellt. Oder auch die Arbeiten von Eko
Nugroho, der bereits in 2005 im Haus der Kulturen der Welt ausgestellt
und im Wrangelkiez seine künstlerischen Spuren auf einer Wand
hinterlassen hat. Der in Yogyakarta lebende Künstler fasziniert mit
seinen Arbeiten; eine politisch-humorvolle Kombination aus Comics,
Graffiti, Skulpturen, Zeichnungen, Stickerei, Video und neulich eine
Neuinterpretation des Wayang, des traditionellen Schattenspiels.
Ebenfalls aus Yogyakarta stammt Kuswidananto a.k.a Jompet, der mit Java´s Machine: Phantasmagoria
für die Yokohama Triennale eingeladen wurde. Die Arbeit ist ein
hervorragendes Beispiel von Multidisziplinarität und verbindet Video,
Sound-Art und Performance. Die höchst interpretationsreiche
Installation, die javanische Soldaten als Gespenster portraitiert, ist
eine Einladung zur kritischen Auseinandersetzung mit der indonesischen
Geschichte.
Text: Katerina Valdivia Bruch Erschienen in: Kunst Magazin Berlin, Mai 2009 << back to texts
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